Der Ätna & Taormina: Wandern auf dem Vulkan

Acireale: Eine Stadt wie ein Bienenstock im Schatten des Vulkans

Während der Rest der Insel das gemächliche Leben in der südeuropäischen Hitze genießt, scheinen die Menschen im schmalen Küstenstreifen zwischen Ätna und Meer vor Energie zu vibrieren. Wir saßen in Acireale auf einer Piazza, mal wieder bei Aperol Spritz und einem Berg an Leckereien und beobachteten das allabendliche Treiben, das hier viel sprühender und hektischer erschien als noch in Modica oder Ragusa. Am nächsten Morgen konnten wir auch erahnen, warum:
Als wir aus dem Zimmer Richtung Dachterrasse zum Frühstück gingen, hörten wir ein dunkles Grollen. Oben angekommen saßen die wenigen Gäste des Palazzo Giovanni an ihren Tischen wie Kinogäste:
Alle starrten mit offenem Mund in die gleiche Richtung ohne auch nur einmal zu blinzeln.

Der Ätna, der aktivste Vulkan Europas, hatte wenige Minuten zuvor beschlossen, uns ein grandioses Frühstücks-Spektakel zu bieten. Mein erster Vulkanausbruch – und das mit Logenplätzen auf der Dachterrasse quasi in Spucknähe!

Frühstücksterrasse des Palazzo Giovanni bei Acireale: Wer Glück hat, sieht den Ätna beim Frühstück qualmen und spucken!

Frühstücksterrasse des Palazzo Giovanni bei Acireale: Wer Glück hat, sieht den Ätna beim Frühstück qualmen und spucken!

Ich hatte Angst etwas zu verpassen und hatte keine Ahnung, wie lange der Ausbruch dauern würde. Ich ärgere mich heute noch tierisch darüber, dass ich nicht doch schnell die Kamera für ein paar Bilder und ein Video geholt habe!
Silvio, der Besitzer kam wenige Augenblicke nach uns auf die Dachterrasse, schaute einmal böse zum Ätna herüber und stöhnte nur „Na toll, dann darf ich später wieder überall den schwarzen Dreck wegfegen“ und machte sich auf den Ärger gleich noch einen Espresso.

Am Abend zuvor hatte er uns noch eine Tour auf den Ätna vermittelt, die am Folgetag stattfinden sollte. Nach dem Einstand am Frühstückstisch schwankte ich zwischen Vorfreude und etwas Nervosität, die aber wiederum eigentlich nur meine Vorfreude steigerte.

Am Tag nach dem Ausbruch: Tour auf den Ätna

Wir wurden mittags abgeholt und fuhren mit sechs anderen Touristen in einem Geländewagen hoch in Richtung Gipfel. Auf dem Weg erklärte uns der Guide vieles aus der Geschichte des Vulkans, seiner Ausbrüche und gab uns vulkanologisches Grundwissen weiter. Oben angekommen staunte ich nicht schlecht, denn trotz seiner ständigen Aktivität, hatte man oben eine komplette Station mit Parkplatz, Restaurant, Forschungseinrichtungen, Skiliften etc… hingebaut.

Aber wie ich gelernt hatte, hat der Ätna – im Gegensatz zum Beispiel zum Vesuv – die Eigenschaft, für seine Ausbrüche neue Krater zu schaffen, wie man auch auf meinen Bildern sehen kann. Die Lava fliesst deutlich langsamer und so werden „gebrauchte“ Ausbruchsstellen von der eigenen Lava dick und fest verschlossen, so dass es für den nächsten Ausbruch für die Lava leichter ist, eine porösere Stelle zu finden und dort durchzubrechen.

Kleine Tour in einen Lavatunnel gefällig?

Die Lava schiebt sich den Berg hinunter und begräbt alles, was ihr im Weg ist. Dabei türmt sie sich oft an den Rändern auf und bildet Überwürfe, so der Vulkan mittlerweile von kilometerlangen Tunneln aus erkalteter Lavamassen durchzogen ist. In einen dieser Tunnel durften wir kurz und mit Helm bewaffnet rein. Wir hielten einfach mitten auf einer Straße, gingen wenige Meter von ihr weg und schwupps! lag da der Höhleneingang. Italien wäre aber nicht Italien, wenn nicht sogar in dieser Höhle leere Zigarettenschachteln, Kippen und anderer Müll herumliegen würde 😉

Zwischen Eleganz und Arroganz: Taormina

Hach Taormina, du poshe Perle mit deinen üppigen Gärten. Wenn du nicht so schön wärst, wärst du auch nicht so überlaufen. Das eine kommt mit dem anderen, aber jammern nützt ja nichts. Fakt ist, dass Taormina klein und dennoch majestätisch ist. Die kleine Stadt schmiegt sich zwischen Ätna und Meer an den Hang, blüht üppig bis in den Herbst und thront über dem türkisblauen Meer.


Durch die Straßen schieben sich das ganze Jahre über Horden von Touristen aus Italien, Russland, Amerika, Großbritanien, Deutschland, Frankreich,… Jeder, der nach Sizilien kommt, fährt nach Taormina, denn es ist das Must-See der Insel. Das schlägt sich in den Preisen nieder, die man für Eis, Caffè, Parkplätze oder Gondelfahrten hinunter zu den Steinstränden der Stadt bezahlt. Dennoch sollte man sie sich für einen Tagesausflug nicht entgehen lassen, schon alleine, um einmal den Blick vom Teatro Greco die Küste hinunter zu genießen. Welches Genie hat dieses antike Theater gebaut!

Hard facts und persönliche Reisetipps zum Ätna & Umgebung

Übernachtung: 
Palazzo Giovanni. Mit toller Dachterrasse ausgestattet liegt das B&B inmitten eines Zitronenhains, dessen Früchte die Besitzer zu Limoncello verarbeiten und den Gästen anbieten. Silvio, der Besitzer, hilft gern beim Buchen einer Tour auf den Ätna oder mit Tipps, wo man in der Umgebung gut essen gehen kann.
Tour auf dem Ätna:
Zum Beispiel bei Etna Sicily Touring.

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