Japan-Rundreise Teil 1 – Eintauchen in Tokios Vielseitigkeit

Die Reiseplanung (Wie teuer sind die Flüge eigentlich? Wie ist das Klima?  Taifunsaison? Kostet in Japan alles wirklich ein halbes Vermögen?)

Als mein Freund und ich Asien ganz oben auf die Reise-Wunschliste 2012 setzten, war uns relativ schnell klar: Es wird eine Japan-Rundreise. Bei uns beiden spukte dieses Land schon lange im Kopf herum. Außerdem rieten uns einige Freunde davon ab, als erstes Asien-Ziel gleich ein Land wie Indien anzusteuern, da dort ein großer Kulturschock drohe. Der große Tsunami im März 2011 hatte verhindert, dass wir schon in dem Jahr die Japan-Reise antreten (wir hatten noch nicht gebucht, aber es stand schon auf der Liste), also warteten wir mit den Planungen, bis die Warnungen zu konkreten Gesundheitsrisiken wieder aufgehoben wurden.

Als Reiseroute sollte es ab Tokio südwärts gehen, was weniger mit dem nördlich gelegenen Fukushima als viel mehr mit den interessanteren Reisezielen im Süden zu tun hatte (Kyoto! Hiroshima!). Die Flüge hatten wir bei Air France-KLM gebucht und sie lagen bei ungefähr 720 € für den Gabelflug Köln – Tokio (via Amsterdam) und Osaka – Köln (via Paris). Los ging es am 28.9. und zurück am 17.10. Wir hatten also 18 ganze Tage zur Verfügung, mit meinem Geburtstag mittendrin.

Reiseroute Japan Rundreise-2012Als beste Reisezeit für die Region Tokio & den Süden Japans hatte ich April/Mai und Oktober/November rausgesucht. Im September soll es zwar schon nicht mehr so schwül sein, wie im Hochsommer, aber es drohen Taifune.

Obwohl ich als „Diplom-Touristin“ (so betiteln wir Tourismusstudenten in Wernigerode uns) schon viel gereist bin, war ich vor dieser Reise echt aufgeregt und hab mich dauernd gefragt, ob wir auch „Lost in Translation“ sein würden, ob wir vielleicht anecken, weil wir uns in der Kultur, den Traditionen und Verhaltensweisen nicht auskennen. Um uns darauf etwas vorzubereiten, kaufte ich vorsorglich „Die Axt im Chrysanthemenwald“ als Crash-Kultureinführung.

Analphabeten in Tokio – Die ersten vier Tage der Rundreise (29.9. bis 3.10.)

Wir sollten morgens gegen halb 9 Uhr Ortszeit am Flughafen Tokio-Narita landen. Die große Frage war natürlich, wie schnell wir den Weg in die Stadt finden würden – unausgeschlafen und dem Japanischem nicht mächtig. Wir hatten von einem befreundeten Pärchen, das vor Jahren einmal in Japan war, gehört, dass sich englische Übersetzungen in Japan auf ein absolutes Minimum beschränken und die Japaner mit ihren Englischkenntnissen auf einem Ranglistenplatz unterhalb von ziemlich vielen Ländern rangieren würden, die man als „schwierig“ bezeichnet hätte.

Aber vom Airport in die Stadt zu kommen war dann zum Glück doch leicht, wenn auch langwierig. Züge und U-Bahnen funktionieren mit einem Farbsystem und jede Haltestelle war zweisprachig ausgeschildert.
Farbsystem Tokio U-Bahn
Hotels sind in Tokio relativ teuer, wenn man eine gute Lage haben möchte. Wir haben uns schließlich für das Hotel Asia Center of Japan in Aoyama entschieden, was gut zur U-Bahn Station Aoyama-itchôme lag, die drei Bahnen bedient. Von dort war es nicht weit bis Roppongi, nach Shinjuku, Shibuya und Harajuku.

Der Knaller für Technik-Nerds: Japanische Toiletten

Was wäre ein Japan-Reisebericht ohne ein bisschen was von der verrückten Technik zu erzählen? Das erste, was ich im Hotelzimmer staunend entdeckte, war natürlich die fantastische, technisch voll ausgerüstete Toilette mit automatischer Spülung, die man auslöst, sobald man sich hinsetzt. Japanern scheint die Überdeckung der eventuellen Geräusche wichtiger zu sein als die Wasserverschwendung. Bei anderen Modellen, die ich später aufsuchte, gab es allerdings auch Lautsprecher, die blechern das Spülgeräusch abspielen, anstatt echtes Wasser verschwenden. Neben der Toilette befindet sich normalerweise immer ein Bedienelement, dass man mutig ausprobieren sollte. Alle Funktionen sind natürlich nur auf Japanisch aufgedruckt, also heißt die oberste Regel „Beine zusammen und auf irgendeinen Knopf drücken“. Aus allen erdenklichen Positionen wird man dann unten herum geduscht und gefönt. Besonders toll ist auch die vorgeheizte Klobrille und der automatisch auffahrende Deckel.

Jetlagged in Shibuya

Da es früh am Tag war, gaben wir dem Jetlag nach und legten uns noch eine Runde hin. Danach erkundeten wir die Umgebung und fuhren abends endlich nach Shibuya, um essen zu gehen. Wir hatten uns bei tripadvisor ein Ramen-Restaurant herausgesucht: Ichiran in Shibuya…und konnten es dann sogar mit der Hilfe von japanischen Passanten zunächst überhaupt nicht finden!

Erstens gab es das Problem, dass wir die Straße nicht finden konnten, weil wir aus der U-Bahn-Station Shibuja anscheinend den falschen Aufgang nahmen (Merke: Die Nummern der U-Bahn-Ausgänge, die oft bei Adressen dabei stehen, sind durchaus ernst zu nehmen), dann konnten wir kein Restaurantschild lesen (weil diese zu 99% nur auf Japanisch waren) und als wir dank eines jungen Tokioter das Restaurant endlich fanden, stellte sich heraus, dass es im Souterrain oder besser Keller lag (Merke: Wenn man einen Laden oder ein Restaurant sucht, lohnt es sich durchaus mal nach unten oder auch in die oberen Stockwerke zu schauen).
Das Restaurant war insgesamt eine gute Einführung in das, was uns die nächsten knapp drei Wochen in Japan begleiten sollte:

  • Schwierigkeiten den Weg zu finden, also sollte man immer etwas mehr Zeit einplanen
  • Essensbestellung am Automaten und Übergabe der Automatenbons an eine Servicekraft, die natürlich nur zwei Meter neben dem Automaten steht
  • absolut geordnetes Schlangestehen
  • köstliches Essen, egal wo wir auftauchten

Welcome to the future! Automaten-Restaurants und das gesichtslose Servieren

Anhand eines Star-Trek-mäßigen Schaltbords mit Glühlampen konnte man sehen, wann welcher Platz in der Ramen-Bar frei wurde und man durfte durch einen Vorhang gehen und seinen Platz aufsuchen. Für meinen Freund und mich war es dann aber total ungewöhnlich, dass alle nebeneinander an einer Art Theke saßen, an der zwischen jedem Sitzplatz eine kleine Holzwand (zum Einklappen) montiert war.

Aufgereiht an der Bar saßen viele japanische Geschäftsmänner, die allein in irrem Tempo ihre Suppe aßen und Nudeln schlürften. Anscheinend ist es so, dass sich viele Angestellte nach der Arbeit erst einmal eine Suppe gönnen, bevor sie die oft lange Rückfahrt mit dem Zug in die Vororte antreten. Serviert wurden die Getränke und das Essen lediglich durch eine Hand, die alles durch einen etwa 15 cm hohen Schlitz vor einem schob. Alles klar, ich hab verstanden! Hier geht’s einfach um das Essen und nicht um die Gesellschaft. Alles Staunen und Ausprobieren hat sich aber absolut gelohnt: Die Suppe war der Knaller und auch das japanische Bier war viel besser als gedacht.
Ramen-Suppe in Tokio und japanisches Bier. Hmmmmm!

Im Großstadtdschungel: Shibuya….

Nach der Suppe erkundeten wir dann Shibuya. Die berühmte Kreuzung sahen wir schon weitem, auf der sich alle paar Minuten eine riesige Menschenmenge über die Straßen schiebt. Hier geht’s zu einem kurzen Youtube-Video, dass das Spektakel ganz gut zeigt. Faszinierend an Shibuya waren dann auch die ersten Love Hotels, die Tierläden, in denen es nur Babykatzen und Babyhunde zu kaufen gab (faszinierend und traurig zugleich) und die Tatsache, dass wir sogar in Tokyo oft die einzigen Europäer oder „Langnasen“ weit und breit waren.


Problematisch war es immer Bars zu finden, in denen man einfach einen Aperitif oder ein Bier trinken konnte. Irgendwie gab es nicht so viele wie wir es zum Beispiel von Köln gewohnt sind und die meisten, die wir fanden, haben zusätzlichen Eintritt verlangt. Wenn man bedenkt, dass der Alkohol dort teurer als hier ist, hält sich die Bereitschaft Eintritt zu zahlen in Grenzen. Wir gingen schließlich in eine „Art“ Irish Pub, der ganz nett war und in dem wir verschiedene japanische Biere ausprobieren konnten.

Im zweiten Teil berichte ich von unseren ersten Tempelbesuchen, Harajuku, dem größten Fischmarkt der Welt und dem Restaurant aus „Kill Bill“.

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