Japan-Rundreise Teil 5 – Heimatgefühle in Nagasaki

Mit dem Shinkansen ging es am 10. Oktober weiter Nagasaki, wo wir zwei Tage bleiben wollten. Wir übernachteten im Fujiwara Ryokan, das wir leider nur mit etwas Mühe fanden. Dieses japanische Gästehaus war schöner als das in Hiroshima, denn die Zimmer waren deutlich heller und hochwertiger eingerichtet. Frühstück gab es leider weder in Hiroshima einen noch in Nagasaki, aber da Japaner Cafés und süßes Backwerk lieben, war es relativ unproblematisch morgens etwas zu finden.

Nagasaki und der Travel Blues

Um es vorwegzunehmen: Nagasaki war der erste Ort in Japan, der uns enttäuscht hat und bei dem wir etwas Probleme hatten, die zwei Tage so zu füllen, dass wir etwas Schönes von dort mitnehmen. Die Beschreibung im Reiseführer klang spannend: Nagasaki hat eine lange Geschichte europäischer Einflüsse (Portugiesen, Niederländer) von denen man einige Kolonialhäuser bewundern kann, zum Beispiel am „Holländer-Hang“ mit seinen Kopfsteinpflasterstraßen. Wer einmal richtig schlechten Kaffee trinken möchte, geht am besten zum Glover Park und bewundert das Blümchenmuster durch den Kaffee am Boden der Tasse… Den Themenpark „Huis ten Bosch“ schauten wir uns nicht an, denn Nachbildungen holländischer Dörfer sind in Asien bestimmt interessant, aber kein Must-See für Reisende, die nahe der holländischen Grenze groß geworden sind.

Das kleine Stadtzentrum mit der berühmten Brillenbrücke und Chinatown hat man ziemlich schnell abgelaufen und unsere Cultural-Overkill-gewöhnten Gehirne kamen zum ersten Mal fast zum Stillstehen. Ich musste erst einmal wieder lernen, dass man nicht jeden Tag von einem spektakulären Ort zum nächsten persönlichen, japanischen Highlight-Moment rennt.

Der Friedenspark

Wir gingen auch hier zur Atombomben-Gedenkstätte, deren Friedensstatue eine tolle Aussagekraft hat: Der zum Himmel gestreckte Arm zeigt die Bedrohung durch Atombomben, der waagerechte Arm symbolisiert Frieden. Passend dazu gewählt ist die Beinstellung mit einem meditativ angewinkeltem Bein und einem, das so wirkt, als würde der Mann aufstehen, um aktiv etwas gegen Atombomben zu unternehmen.


Im Park waren wir wieder einmal fast die einzigen Europäer (je weiter wir südlich reisten, desto weniger westliche Touristen gab es) und wir waren für die zahlreichen Schülergruppe ein begehrtes Fotoobjekt. Natürlich wurden wir nicht gefragt und mussten nicht posieren, es wurde eher „heimlich“ aus der Hüfte geschossen. Wie in Hiroshima wurden wir auch hier von einem Reiseführer der Gedenkstätte angesprochen und ausgequetscht. Auch er bedankte sich herzlich für unseren Besuch der Gedenkstätte. In das Museum schafften wir es nach der extrem nahegehenden Ausstellung in Hiroshima nicht… wir blieben lieber draußen in der Sonne und schlenderten durch die Stadt.

Ein bisschen Köln-Gefühl in der Ferne

Aber dann, am zweiten Abend, kurz vor der Abreise also, packte mich die Stadt doch noch. Wir gingen in der Nähe unseres Ryokans in ein Grill-Restaurant, das am Vorabend leider komplett voll besetzt war. Es war ein zweiter Versuch, denn das Ambiente wirkte auf uns ansprechend authentisch und der Besitzer hatte sich am Vortag bestimmt hundertmal entschuldigt, dass er leider keinen Platz mehr für uns hatte. Leider habe ich den Namen des Restaurants nicht mehr im Kopf, aber es lag vom Ryokan aus gesehen hinter der Hauptstraße Sakuramachi Dori, etwa in Höhe der gleichnamigen Straßenbahn-Haltestelle. Hier ist das Restaurant in Google Street View, man erkennt es aber auch immer eindeutig an der riesigen Grillrauch-Wolke, die davor hängt.

Der Besitzer erkannte uns wieder, ein junger Typ, der das beste Englisch sprach, das wir bisher in Japan gehört hatten. Er erklärte, dass er eine philippinische Mutter hat, die ihm Englisch beigebracht hatte und dass er schon in Amerika gearbeitet hatte. Er freute sich so sehr darüber, dass wir wiedergekommen waren, dass er an dem Abend unser persönlicher Koch und Bedienung war, obwohl der Laden wieder rappelvoll besetzt war und er nebenbei noch in der (natürlich offenen) Küche arbeitete. Da dies das erste und letzte Restaurant war, dass weder Plastik-Essensnachbildungen noch Fotos in der Speisekarte hatte, war es ein sehr glücklicher Zufall für uns, dass er sich so sehr um uns kümmerte.

Während wir auf die Platten warteten, die er uns immer persönlich aus der Küche (Sashimi! Grillfleisch!), bekamen wir von zwei Damen am Nachbartisch gebratene Edamame und Wachteleier herübergereicht. Die beiden hatten sichtliches Interesse an uns und übergingen die übliche japanische Distanziertheit einfach indem sie die ganze Zeit auf Japanisch auf uns einredeten. Da wusste ich, woran Nagasaki mich erinnert: An meine Heimatstadt Köln. Tendenziell eine hässliche Stadt, aber offene und super sympathische Menschen, die man leichter kennenlernt als in anderen Städten. Herrlich!

Sashimi-Platte

Sashimi-Platte

Häßliche Stadt, supernette Menschen - Ein Stück Köln in Japan! Das macht glücklich.

Häßliche Stadt, supernette Menschen – Ein Stück Köln in Japan! Das macht glücklich.

Ein süßer Gruß aus der Küche

Ein süßer Gruß aus der Küche

Alle Gäste im Laden ließen den Sake und das Bier in Strömen fließen und so war es unglaublich laut hier (Romantisches Dinner gewünscht? Geh lieber woanders hin.). Wir aßen und tranken alles, was kam und beobachteten die immer betrunkener werdenden japanischen Gäste und unterhielten uns mit dem Chef. Als wir gingen brüllte uns der komplette Laden „bye bye“ hinterher. Auch das hätte irgendwie genauso in Köln stattfinden können. Das bis dato teuerste und opulenteste Essen in Japan, ohne dass ich Nagasaki aber definitiv nicht doch noch in so schöner Erinnerung behalten hätte.

Die Berichte und Fotos über meine ReisevorbereitungTokyo und Kyoto verpasst? Die letzten Stationen der Rundreise führten uns nach Nagasaki, ins Onsen-Dorf Kurokawa und nach Osaka und werden bald veröffentlicht.

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