Japan-Rundreise Teil 2 – Tokyo: Tsukiji, Harajuku, Schreine

Im zweiten Teil meines Japan-Reiseberichtes dreht sich alles um den Tsukiji-Fischmarkt in Tokyo, Shinto & Zen, Plastikessen, Erdbeben, Cosplayer und andere verrückte Gestalten in Harajuku.

Hochzeiten am Meiji-Schrein

In Tokyo besichtigten mein Freund und ich zwei Schreine: Den Meiji- und den Senso-ji-Schrein. Diese sind sehr beliebt bei Touristen doch im Nachhinein kann ich sagen, dass man sich in dieser Stadt auf anderes konzentrieren kann, vor allem wenn man wenig Zeit zur Verfügung hat. Solltest Du planen, nach Kyoto oder Nara fahren, wirst Du dort wesentlich ältere und größere Tempel bzw. Schreine sehen.
Da wir aber beide noch nie in Asien unterwegs waren, haben wir auf den Besuch natürlich nicht verzichtet und waren trotzdem begeistert. Am Meiji-Schrein hatten wir das Glück in eine Fotosession einer traditionellen Hochzeiten reinzustolpern. Die Kopfbedeckung der Braut war fantastisch und insgesamt wirkte die Szenerie etwas aus der Zeit gefallen.
Hochzeit am Meiji-SchreinAnschließend ging es zu Fuß weiter nach Harajuku, was direkt neben der Parkanlage rund um den Meiji-Schrein liegt. Da in Japan die Geschäfte oft auch sonntags offen haben, hat es sich sehr gelohnt. Allerdings haben wir nicht die erwartete Menge an Cosplay- und Mangamädchen gesehen, von denen man denkt, dass sie immer in Scharen durch Harajuku laufen. Als wir in einem Café nachfragten, hieß es, dass das große Treffen der verkleideten Fans normalerweise immer Sonntags schon gegen 10 Uhr morgens stattfindet, wofür wir eindeutig zu spät dran waren. Trotzdem tauchten hier und da in der Menge noch einige schräg verkleidete Mädchen auf, die leider für Fotos immer zu weit weg und zu schnell verschwunden waren.
In Harajuku war der Bär los: Alles war voll mit jungen Leuten, die den Sonntag nutzten, um sich mit Klamotten und Schuhen einzudecken oder in Ruhe einen Kaffee in irgendeinem stylischen Laden zu trinken.
Harajuku

Besuchermagnet Senso-ji und alles für Küchenliebhaber in der Kappabashi-dori

Der Senso-ji Schrein in Ueno war ziemlich überlaufen, aber da das Wetter toll (schon fast zu warm) war, hat es sich trotzdem sehr gelohnt, durch die Anlage zu laufen und die Japaner bei ihren Riten zu beobachten: Die Reinigung vor den Gebeten am Wasserbecken und mit dem Rauch der  Räucherstäbchen. Später habe ich selber an jedem Tempel mit den Japanern Schlange gestanden, um mich zu reinigen. Ob das korrekt oder albern als Nicht-Zen-oder-Shinto-Buddhist ist, war mir egal. Die Japaner um mich herum hat es überhaupt nicht gestört und meistens finden sie es sogar toll und ermutigen einen, wenn man Interesse an ihrer Kultur und den Traditionen zeigt. Ich habe für den Rest des Urlaubs JEDES Wasserbecken an den Schreinen und Tempeln fotografiert, was im Nachhinein vielleicht doch zu viel des Guten war.


Ein kleines Stück zu Fuß entfernt liegt die Kappabashi-dori oder „Küchenstraße“ von Tokyo. Die Straße ist ein Abstecher wert, denn man kann dort alles für den Küchenbedarf kaufen und noch mehr: Plätzchenausstecher in allen erdenklichen Formen (Kraken, Fische, Blumen, Elefanten,…) Siebe, Lackgeschirr, Reiskocher, Stäbchen, Stäbchen-Bänkchen, Schüsseln und vor allem die berühmten Plastik-Essensskulpturen, die vor fast allen Restaurants stehen, um die jeweilige Auswahl zu zeigen. Man kann sie dort in Originalgröße oder auch kleiner als Schlüsselanhänger oder Magneten kaufen. Sie sind toll bemalt und sehen wirklich so echt aus, dass meine Arbeitskollegen zunächst dachten, es läge ein Gurken-Sushi auf dem Besprechungstisch.
tokyo_plastikessen

Taifun und Kill Bill-Feeling in Roppongi

Am gleichen Abend bekamen wir es mit unserem ersten Taifun zu tun (zum Glück der erste und letzte während unseres Urlaubs). Wir hatten geplant, im Restaurant Gonpachi in der Nähe von Roppongi essen zu gehen, das angeblich Quentin Tarantino zu dem Restaurant in „Kill Bill“ inspiriert hat. Es war nicht all zu weit von unserem Hotel entfernt, also hatten wir vor zu laufen, wurden aber von einem unglaublichen „Platzregen“ überrascht. Hartnäckig wie wir waren, sind wir natürlich trotzdem gelaufen. Dass der Taifun nicht ohne war, haben wir erst viel später an diesem Abend durch SMS aus Europa erfahren.

Wir hatten Glück und haben im Gonpachi Plätze direkt an der Bar bekommen und uns japanische Tapas und natürlich Bier geordert. Das Restaurant war ziemlich laut, mit vergleichsweise vielen westlichen Touristen besetzt, aber trotzdem eine sehr nette Erfahrung. Hier haben wir zum ersten Mal den in Sojasauce frisch gegrillten Unagi (Aal) gegessen und uns sofort in das Gericht verliebt.

Später am Abend sind wir durch Wind und Regen weiter in Richtung Roppongi gestapft, um das berühmte Ausgehviertel zu erleben. Wir sind relativ planlos herumgelaufen, denn leider waren viele Clubs geschlossen oder sahen wenig einladend aus. Außerdem war kaum etwas los, was natürlich mit dem schlechten Wetter zu tun hatte, aber wir hatten eher erwartet, dass die verrückten Japaner sich von so etwas nicht abhalten lassen. Irgendwann haben wir uns von einem Türsteher in einen Laden locken lassen, der sich dann leider als total leer herausstellte.

Da ein Cocktail im Eintrittspreis enthalten war, blieben wir trotzdem und haben abwechselnd die gelangweilten Barkeeper und die Fernseher mit freizügigen Musikvideos angestarrt… bis wir dann schließlich gebeten wurden zu gehen, da man wegen des Taifuns keine weiteren Gäste erwarte und man uns raten würde, auch so langsam besser das Hotel aufzusuchen. Da der Weg zur U-Bahn-Station schon die Hälfte der Strecke zum Hotel ergab, sind wir doch noch durch den Sturm zurückgelaufen.

Fisch, Fisch und noch mehr Fisch: Der Tsukiji-Fischmarkt in Tokyo

Der Tsukiji-Fischmarkt in der Nähe des Viertels Ginza ist der größte Fischmarkt der Welt. Um dort die große Thunfisch-Versteigerung mitzuerleben, muss man früh aufstehen – sehr früh. Im besten Fall ist man zwischen 5 und 6:15 Uhr vor Ort, was wir leider dank des andauernden Jetlags überhaupt nicht geschafft haben. Aber auch etwas später war der Trubel und das bunte Treiben beeindruckend.

Wir wussten zunächst gar nicht, wo der richtige Eingang für uns ist, da der Fischmarkt kein gewöhnlicher Touristenort ist, sondern eben „nur“ ein Großmarkt. Zwischen überfüllten Sushibuden, großen LKWs, rasenden Minitransportern und geschäftigen Arbeitern ließen wir uns einfach treiben und gingen von Stand zu Stand, um das Überangebot an allem, was das Meer zu bieten hat, zu bestaunen und natürlich zu fotografieren.

Erdbeben in Ginza
Leider hatten wir so früh morgens noch kein Appetit auf Sushi. Genau wie im Hotel, wo wir trotz aller Neugier auf Japanisches das japanische Frühstück (Misosuppe, Umeboshi, eingelegtes Gemüse, das traditionelle Natto,…) doch noch nicht anrührten. Als wir auf dem Tsukiji genug im Weg gestanden hatten, zogen wir weiter in Richtung Ginza, um einen Blick ins Sony Center zu werfen und durch die Straßen des beliebten Hochglanz-Viertels zu spazieren.

Da wir, verglichen zu Geschäftszeiten, immer noch sehr früh unterwegs waren, gingen wir zunächst in einen kleinen Park, in dem es eine botanische Ausstellung gab. Sitzend auf einer Parkbank erlebten wir dann auch bewusst unser erstes Erdbeben.

Es war, als wenn jemand hinter uns getreten wäre, um an der Bank zu rütteln – und dann war es auch schon wieder vorbei. Laut App hatten wir schon einige Erdbeben „erlebt“, aber keines davon haben wir tatsächlich wahrgenommen. Einmal bin ich nachts zur gleichen Zeit wach geworden wie eines laut App nur 80 km entfernt stattgefunden hatte, kann aber nicht sagen, ob ich tatsächlich vom Erdbeben oder vom Jetlag aufgewacht bin. Im Zweifel vermutlich von beidem.

Exkurs: Online sein in Japan

Da mein Mobilfunkanbieter Japan in „Ländergruppe 3“ einsortiert hat, sollte ein 24-Stunden-Pass zum Surfen 24,95 Euro kosten. Da wir 18 Tage in Japan waren, überlegt man nicht lange, sondern lässt es von Anfang an bleiben. Wir kehrten zurück zur guten alten Zeit, in der man sich bei Wlan im Hotel überlegt und aufschreibt, wo es hingeht und vor allem, wie man dort ankommt. Das war zwar etwas zeitaufwendiger, hat aber trotzdem (wie früher) super geklappt. Und da alle Japaner sehr hilfsbereit waren, kamen wir auch offline ziemlich gut weiter. Zum Beispiel um…

…das Rathaus in Tokyo zu finden.
Ja genau, zwei Türme à 48 Stockwerke hoch in Shinjuku gelegen und wir konnten es (wie so viele Orte) nicht direkt finden. Irgendwann standen wir sogar ohne unseren Stadtplan in Shinjuku, da eine junge Japanerin damit durch die Geschäfte zog, um für uns in Erfahrung zu bringen, wo wir am besten entlang laufen sollten. Toll! So unglaublich nett und hilfsbereit haben wir die Japaner auf der ganzen Reise erlebt. Das Fragen und Suchen hat sich gelohnt: Die Aussicht auf Tokyo war wunderbar. Zwar von drinnen und hinter Glas, aber dafür 360° und gratis.

Das waren einige unserer wichtigsten Erlebnisse und Erkenntnisse in Tokyo. Weiter ging es mit dem Shinkansen nach Kyoto. Wer den ersten Teil von Tokyo verpasst hat, kann hier alles nachlesen.

#asien #japan #tokyo #tokio #travel #reisen

Kommentar verfassen