Ein Trip wie ein Film: Meine Sizilien-Rundreise

Der Vorspann und…. „Eine kleine Überraschung für la signorina!“

„Die Wagen in Ihrer gebuchten Klasse sind leider schon alle weg. Würden Sie auch ein Cabrio nehmen?“

Der Mann am Mietwagenschalter am Flughafen in Palermo meinte es offensichtlich gut mit uns, aber vor meinem inneren Auge fuhr ich bereits am nächsten Tag mit aufgeschlitztem Verdeck durch Palermo (wenn das Auto überhaupt die erste Nacht in der Stadt überleben würde…). Aber mit einem Cabrio über die Insel zu brausen war doch mein Traum! Also Augen zu und volles Risiko: „Ja, hmmm… eigentlich sehr gern. Und das kostet uns nichts extra?“ kam es vor Aufregung gequetscht über meine Lippen, „Nein, der Preis bleibt der gleiche.“ war die Antwort.

Zufrieden stapften wir über den Parkplatz in Richtung unseres Peugeot Cabriolets, dass sich als Wagen mit Hardtop entpuppte. Puuuh. Also kein aufgeschlitztes Verdeck auf der Insel, die dem Ruf nach der Inbegriff von Mafia und Verbrechen ist. Und dann scheiterte der Traumstart in den Urlaub doch noch fast an meinem viel zu großen Koffer und dem viel zu kleinem  – nennen wir ihn – „Kofferraum“. Doch wie die bösen Stiefschwestern von Aschenputtel ihre Füße in den Glaspantoffel, quetschte ich den Koffer mit aller Macht in das Auto, auch wenn ich dadurch vorne fast mit dem Kinn auf den Knien sitzen musste.

Und dann brausten mein Freund und ich abends um zehn Uhr durch die spätsommerliche Wärme Richtung Palermo und freuten uns auf zwei Wochen Sonne, Strände, antike Ruinen und Ausflüge in die Natur inklusive einem Besuch auf den Vulkan Ätna.

Das Thema meines Sizilien-Films: La famiglia, la cucina italiana und Traumstrände in barockem Setting

Nach einer unspektakulären, kurzen Nacht in Palermo schwangen wir uns ins (nicht aufgeschlitzte oder aufgebrochene) Cabrio und nahmen die Autobahn Richtung Enna, um uns dann ganz hinunter in den Süden bis nach Modica durchzuschlagen. Die Familie meines Freundes kommt eigentlich aus Norditalien, aber wie gute italienische Familien und der Zufall es so wollen, war seine Cousine mit Familie und Patenkind meines Freundes genau noch einen Tag in der Nähe von Modica im Urlaub. Natürlich tut man alles für La Famiglia und setzt sich ins Auto, um am ersten Urlaubstag knapp 5 Stunden quer über die Insel zu rasen, um anschließend einmal Hallo zu sagen.

 


Also ab auf die relativ verkehrsregellose Stadtautobahn Palermos, vorbei an Männern, die auf dem Seitenstreifen der Autobahn bei 30° um 11 Uhr morgens Joggen, dann die Küste entlang und ins Herz Siziliens, wo die hügeligen Weizenfelder gold-gelb-braun schimmern und scheinbar nie enden. Flirrende Hitze und die immer gleichen Farben – es fehlt nur ein kleiner, pittoresker Ort mit einer Bar und alten Herren davor, die im Schatten sitzend Espresso schlürfen und rauchen. Und natürlich der junge Al Pacino, der wie in Der Pate I um die Ecke biegt und seine große Liebe trifft.

Wir haben die Fahrt unterschätzt, ebenso die Versorgung entlang der Straßen, so dass wir irgendwann durstig und hungrig die Autobahn verlassen, um eine Ortschaft zu finden. Das Gute an Italien ist, wie ich finde, dass man sich sicher sein kann, dass man im kleinsten Ort mit dem schäbigsten Restaurant immer noch bestes italienisches Essen bekommt.

Auf der Straßenkarte fand ich den Ort Niscemi, der kurz darauf auf einem Hügel am Horizont auftauchte. Wir schlängelten uns durch die Landschaft hinauf und landeten in einer Kleinstadt, die ungefähr so einladend war wie der Grenzstreifen Nordkoreas.

Wie ausgestorben wirkte der Ort und ebenso das erstbeste Restaurant, vor dem wir hielten. Riesengroß – keine Gäste. Nur ein etwas mürrisch wirkendes Besitzerpaar, das uns zwei Stühle zurecht rückte. Meine Gedanken kreisten filmreif durch meinen Kopf. Kommt da etwa gleich eine Gruppe Männer herein und einer von ihnen hat eine rote Rose im Knopfloch und ab geht die Bleiparty?
Aber nichts passierte außer der Zubereitung köstlicher Pasta! Also schob ich an Tag 1 des Urlaubs alle halb-witzig-halb-ernst-gemeinten Vorurteile endlich beiseite und fing an, die Zeit zu genießen.

Modica, Ragusa, Noto – Spätbarock und Völlerei alla Italia

Nichts leichter als das. Modica, Ragusa und Noto beeindrucken jeden, der durch die sehr hügelige Landschaft fährt und plötzlich nach einer weiteren Serpentine eine dieser drei Städte erblickt, die sich mit barockem Baustil in die Hügel schmiegen. Alle drei wurden 1693 bei einem schweren Erdbeben zerstört und in diesem Stil (genauer gesagt Spätbarock) wieder aufgebaut. Zusätzlich kann man jeden Tag an einem anderen Strand liegen – einer ruhiger und schöner als der andere.

Abends geht es zum Aperitif in eine der drei Städte und, da man sehr gastfreundlich im Süden ist und anscheinend immer befürchtet, dass morgen alle Lebensmittel verderben könnten, bekommt man zum Aperol Spritz oder Martini schon so viel köstliches „Knabberzeug“ kostenlos dazugestellt, dass man das Abendessen getrost auf den folgenden Tag verlegen sollte: Käse, Salami, Oliven, , Tramezzini, Arancini, Bruschette,… Besonders die Arancini, gefüllte Bällchen aus Risotto hatten es mir angetan und ich plante, in selbiger Form aus dem Urlaub zurück nach Köln zu fliegen.

Cefalù: Strandtag oder Tagesausflüge zu Natur & antiken Ruinen?

Cefalù ist für sizilianische Verhältnisse eine sehr touristischer Ort, der trotzdem aber nicht unangenehm daherkommt. Unsere Ferienwohnung hatten wir von einer der zahlreichen Sprachschulen im Ort gemietet. Sie lag direkt unter dem „Wahrzeichen“ der Stadt – dem Rocca di Cefalú – und bot einen perfekten Ausblick von der Frühstücksterrasse aufs Meer.

Jeden Tag stellte sich erneut die Frage: Hinunter zum Strand und im warmen Mittelmeer planschen während der typische Kokosnussverkäufer „Coco! Mangi Coco belli!“ brüllt oder doch lieber einen Tagesausflug unternehmen. Beides kann man in Cefalù hervorragend. In der Sonne am sauberen Strand aalen, mittags einen Teller Pasta, nachmittags eine Granita, Bücherberge weglesen und im türkisen Wasser schwimmen und abends zurück ins Appartement mit Bergen von frischen Obst und Gemüse, die man an kleinen Lieferwagen erstehen kann, die mitten in der Stadt zum Marktstand umfunktioniert werden.. Oder raus in Richtung Nationalpark La Madonie mit wunderschönen Bergdörfern wie Castelbuono, Petralia Soprana oder Collesano, in denen man die Einwohner kaum versteht (Ist der Dialekt echt noch italienisch?) und auch mal umdrehen muss, weil mal wieder eine Straße von einem Erdrutsch verschüttet wurde. Oder die Küste entlang zu den Ruinen von Tyndaris. Oder doch lieber einen Shopping- und Kulturtrip nach Palermo?

Das Gelato Festival in Cefalù

An kleinen Ständen zwischen Strand und Altstadt gab es Italien pur auf die Waffel: Eisdielen aus ganz Italien und einige Auserwählte aus anderen Ländern durften an den drei Festivaltagen ihre Kreationen zeigen und verteilen. Das „Festivalticket“ umfasste konsequenterweise dann auch keine Lesungen oder Konzerte, sondern Mini-Eiskügelchen in Mini-Waffelhörnchen zum probieren. Wir schlenderten von Stand zu Stand, denn mein Freund ist ein großer Verehrer der kalten Leckerei und freute sich auf das Festival seit wir die ersten Schilder am Ortseingang Tage vorher erblickt hatten.

Honig-Birne-Nuss, Waldfrucht-Joghurt- Limone,… die Eissorten klangen so verlockend, dass es schwierig war, nur die fünf Sorten auszuwählen, die das „Festivalticket“ hergab.

„Guck mal, da ist ja sogar ein Stand aus Deutschland! Mal sehen, was es bei denen so gibt“
„Malzbier!“
„Malzbier?“
„Hmmm, Malzbier.“

Aus allen erdenklichen Geschmacksrichtungen und Kombinationen der Welt musste ausgerechnet der deutsche Stand mit Malzbier nach Süditalien rollen. War das schon wieder so typisch, dass es witzig war oder doch nur ein herber Schlag in die Die-Deutschen-und-ihr-Bier-Kerbe? Ich drehte um und schlich zurück zu Honig-Birne-Nuss. Wenn ich eins im Leben gelernt habe, dann ist es das: Es gibt die Malzbier-Liebe-Fraktion und es gibt die Malzbier-Bääääh-Fraktion. Ich gehöre zur zweiten Gruppe an und habe bisher noch keinen Gleichgesinnten getroffen.

Am Strand liegen, durch Nationalparks und kleine Dörfer streifen oder doch lieber Ruinen? Was reizt dich an Sizilien am meisten? Hast du schon andere Gegenden auf der Insel bereist und hast Tipps?

Hard facts und persönliche Reisetipps zu Sizilien

Agriturismo Masseria Quartarella:
Umgebauter Bauernhof zwischen Modica und bezaubernden Stränden. Die Zimmer befinden sich im umgebauten Stall und sind riesig, Frühstück gibts in der Bauernküche (sogar mit der typischen Schokolade aus Modica und Hüftgold-prägenden Cannoli). Der Besitzer ist super hilfsbereit bei Tipps für Tagesausflüge und erzählt gern kleine Geschichten aus der Historie des Bauernhofs.


Für Schokolade und mehr ist die beste Adresse Antica Dolceria Bonajuto. Unbedingt Mpanatigghi probieren, ein mit Schokolade und Fleisch (!!!) gefülltes Gebäck. Echt lecker!

Essen: Erst auf der Piazza einen Aperitif nehmen und dann zu A Putia ro Vino oder in die Osteria dei Sapori Perduti!

Der Spin-off: Ausbruch des Ätna und Fluchtgedanken in Taormina

Was wäre Sizilien ohne den Ätna? Um dem Vulkan und der Region drumherum einen besonderen Platz zu schaffen, verdient er einen extra Blog Post. Vorhang auf!

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